Jan 01 2010

Wie dachte der Inquisitor Bernado Gui?

Veröffentlicht von pt um 20:58 in Historische Fundstücke Artikel drucken

Wer erinnert sich nicht an den perfiden Inquisitor Bernado Gui, der Abgesandte der römischen Inquisition und den es übrigens wirklich gab, aus dem Buch und gleichnamigen Film der Name der Rose? William von Baskerville, ehemals auch im Dienst der Inquisition, musste stets auf der Hut sein, bei der Jagd nach dem Mörder in der Abtei selbst nicht in die Fänge der Inquisition zu geraten. Doch war die Inquisition wirklich so? Waren alle Inquisitoren ungerecht?

Mit dieser Frage hat sich Peter Godman, ein Tübinger Professor für lateinisches Mittelalter und Renaissance, eingehend beschäft und ein Buch über das Heilige Offizium, das euphemistische Synonym für die Römische Inquisition.

Im Jahr 1996, zwei Jahre vor der offiziellen Öffnung, erhält Godman unerwartet Zugang zum Archiv der Kongregation für die Glaubenslehre, das die Bestände des Heiligen Offiziums, der Indexkongregation und der Inquisition in der toskanischen Diözese Siena umfasst. Übrigens wurde die Kongregation für die Glaubenslehre im 16. Jahrhundert gegründet und damit drei Jahrhunderte später als Umberto Ecos Geschichte – Bernado Gui ist demnach ein Inquisitor der mittelalterlichen Inquisition. Bei Inquisition denkt man sofort an Prozesse mit Ketzern und Hexen sowie den Inquisitor, der um alles in der Welt alles und jeden auf den Scheiterhaufen bringen will.

Tatsächlich haben die Inquisitoren der römischen Inquisition nach einem Handbuch ihre Fälle bearbeiten müssen, und in erster Linie ging es ihnen darum, den Angeklagten zum Widerrufen zu bringen. Das Handbuch war das Directorium Inquistorum (Handbuch für Inquisitoren) von Eymerich und Praxis Inquisitorum (Praktischer Leitfaden für Inquisitoren) von Fracisco Pena, letzter ein spanischer Hardliner, der in seinem Werk auf das genauste Verhörtechniken und Analysen beschrieb. Es gab sicherlich unzählige Beispiele von Inquisitoren, die sehr willkürlich die Verfahrensvorschriften der römischen Inquisition ausgelegt haben, aber die weltliche Gerichtsbarkeit war vermutlich wesentlich schlimmer im Sinne von Willkür und Formalismen. Denunziation war zu Zeiten der Inquistion an der Tagesordnung. Die Aufgabe des Inquisitors der römischen Inquisition bestand darin, den Denunzianten zu einer Aussage in der Öffentlichkeit zu bewegen und ihn auf seine Beweggründe zu prüfen. Wer nicht standfest war, geriet leicht selbst ins Fadenkreuz der Inquisition.

Das Buch von Peter Godman gibt tiefe Einblicke in das Wirken der römischen Inquisition. Godman rückt das schwarz gemalte Bild über die Inquisition, das sich durch die mediale Einarbeitung in unseren Köpfen festgesetzt hat, in die Objektivität zurecht. Dieses Buch über die Inquisition empfehle ich gerne weiter. Übrigens, das Handbuch der Inquisition von Eymerich oder Pena ist auf dem Antiquitätenmarkt sehr viel Geld wert. Also aufpassen auf den Flohmärkten! ;-)

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